Paradise Lost in Macau

Gerade in den letzten Wochen überschlagen sich die Meldungen zum Glücksspiel in Macau mit den widersprüchlichsten Aussagen: Der Umsatz brach im Gegensatz zum Vorjahr um mehr als 30% ein, der chinesische Präsident Xi Jingping will mit noch härteren Maßnahmen gegen die Casinobranche vorgehen als bisher, während Marktbeobachter einen enormen Aufschwung ab Mitte 2015 sehen trotz des drohenden Rauchverbots, das in Kürze für sämtliche Casinos in Macau gelten soll.

Spätestens seit dem James Bond Film ‚Skyfall‘ 2012 ist der opulente Glanz und Glamour von Macau und dessen Casinos auch bei denen angekommen, die sich bis jetzt nicht sonderlich für dieses Fleckchen Erde interessiert haben. Auch bekannt als ‚Monte Carlo des Orients‘ hat Macau Las Vegas weit hinter sich gelassen, was den Umsatz und die Touristenzahlen betrifft, doch ziehen Wolken im Glücksspielparadies auf.

Ursprünglich eine portugiesische Kolonie, die erst 1999 an China übergeben wurde, findet sich hier die einzigartige Mischung von portugiesischer und chinesischer Kultur an, die gleichermaßen Europäer, Asiaten und Glücksspielfans sowie Pokerspieler anzieht. Macau hat zudem einen Sonderstatus in der chinesischen Republik, da es der einzige Ort im Reich ist, an dem Glücksspiel legal erlaubt ist.

In den letzten Jahren übertraf eine Jahresbilanz garantiert die Vorjahresbilanz des Umsatzes in Macau, die zu den Hauptzeiten die siebenfache Summe des Umsatzes in Las Vegas ausmachte. Mit alleine 33 Casinos, zu denen das ‚Venetian Macau‘ gehört, Luxushotel und Casino in Einem, sowie diversen Shopping-Malls und Restaurants war Macau ein Paradies sowohl für ausländische Investoren als auch Touristen und Spieler, zu denen einige der reichsten Casinogänger überhaupt aus China und weltweit gehörten.

Umsatzrückgang

Seit 2013 weht mit der Machtübernahme von Xi Jingping ein anderer Wind, da der neue Präsident es sich zu einer seiner Hauptaufgaben gemacht hat, in seinem Land gegen Korruption und Geldwäsche anzugehen, insbesondere in Macau, das aufgrund des Glücksspielmarkts besonders anfällig für Korruption ist. Das Ergebnis der Kampagnen von Jingping, zu denen deutlich weniger Werbung für Casinos in Macau gehört, Einreisebeschränkungen sowie dem neu durchgesetzten Rauchverbot hält vor allem die VIPs von Macau fern und damit die Goldesel und Hauptfinanzierung des bis jetzt dort herrschenden Reichtums. Wer davon profitiert sind Nachbarstaaten wie die Philippinen oder Australien, während viele Tische in Macau leer sind.

Besonders betroffen davon sind zurzeit ausländische Investoren wie Steve Wynn oder die Las Vegas Sands Corporation, deren Aktien einen Rückgang von 26% bis zu 30% im letzten Jahr verzeichnen mussten. Zwar konnten die Investoren auch Einnahmen verzeichnen, die jedoch weit weniger mit dem Casinogeschäft zu tun hatten als vielmehr mit Sparmaßnahmen, die aufgrund der Krise getroffen wurden.

Neue Zielgruppe

Trotz des Umsatzeinbruchs durch Chinas Wirtschaftskrise sowie dem Fernbleiben der großen Spieler aufgrund des harten Vorgehens von Jingpings Regierung stehen die Zeichen auf Wachstum und erneutem Aufschwung, wie Marktbeobachter nach eingehender Analyse zu beobachten glauben. Spätestens ab Mitte 2015 soll es wieder bergauf gehen, da Macau begriffen hat, dass die Zeit zum Umdenken gekommen ist und sich nun verstärkt bemüht zeigt, mehr Unterhaltung neben den Casinos zu bieten im familienfreundlichen Umfeld wie Shopping, Wellness und Shows. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass sich die neueste Marketingkampagne des Venetian Macao Casinos mit Sport- und Mode-Ikone David Beckham ausschließlich auf den Glamour und den Unterhaltungswert des Luxushotels beschränkt, während der 70 Millionen Dollar teure Casinospot von Martin Scorsese mit Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Robert deNiro nach nicht einmal vier Wochen wieder offline ist – ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

In Macau konzentriert man sich jetzt erst mal auf das normale Mittelklasseklientel, das zwar nicht mit den VIP-Schwergewichten mithalten kann, doch langfristig weniger Ärger und langsameres, aber immer noch solides Wachstum verspricht. Wir halten euch auf dem Laufenden!

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